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Befreit aus ihrer bloßen Realitätsverpflichtung wird die Fotografie bei Bettina Gorn zum Medium der künstlerischen Reflexion über Zeit, Vergänglichkeit und Erinnerung. Sie zeigt Fotobilder, die den menschlichen Körper ins Blickfeld rücken und in seiner Verletzlichkeit und Bewegtheit momenthaft festhalten. Die äußere Hülle des Materiellen scheint aufgelöst, schafft neuen Raum für die Energie des Wesenhaften. Unschärfe wird hier zum Modus, den Körper in seiner Aktion und Bewegung festzuhalten. Im Interesse der Künstlerin liegt es, das Authentische, Prozesshafte und Experimentelle zu visualisieren. Nicht zuletzt erlebt auch die Auseinandersetzung mit der Frage der Identität, des Innen- und Außen ein neues Interesse.
Dr. Patricia Drück, Kunsthistorikerin, München

Die Künstlerin Bettina Gorn hat viele Jahre getanzt. In ihren Fotografien entwickelt sie eine eigenständige Notation, dank der sie das dezisive Moment des Tanzes selbst bannt: die stete Transformation. Das gelingt ihr dank eigenem Körpereinsatz: wie das Sujet auch, befindet sich Gorn in der Bewegung ihres ureigenen Rituals, nicht taumelnd oder wirr, sondern bestimmt und motivprägend, das Auge alert für den gewählten Ausschnitt. Ihre Schrittfolge ist präzise auf das Gegenüber abgestimmt. So umkreist sie den sich Drehenden und fixiert bewegend Bewegtes.
In einer ihrer Serien – eine Ausdrucksform, die Bettina Gorn besonders schätzt, da sie wie keine andere erlaubt, dem Bewegungspfad nachzuspüren – zentriert Gorn ihr Gegenüber, wobei die Figur nie zentrisch auftritt. Gorns Ausschnitte setzen ihre Protagonisten oft scharf an den BIldrand, so dass deren Bewegung weiter quillt, im Strudel über die Kante lappt, die angespannte, sehnige Energie zwar geballt gebannt erscheint, aber jeden Moment bersten könnte.
“Nur in der Bewegung, so schmerzlich sie sei, ist Leben” formulierte einst der Schweizer Kunsthistoriker Jakob Burckhardt. In Bettina Gorns Fotografien, gleichwohl fixiert, ist Bewegung. Sie bedarf keiner Worte.
Evelyn Pschak, Kunsthistorikerin, München

…diese Reduktion führt dazu, dass man sich unweigerlich einlässt auf die Bilder im Einzelnen – und sich dann die Vielfalt des Sujets so langsam im Kopf auszubreiten beginnt…
Anja Blum zu “kopfsache”, Süddeutsche Zeitung

…daneben die wuchtig großformatigen und doch unbestimmbar wie in weißem Nebel wabernden Fotoprints Bettina Gorns: aus der Schwärze aufsteigende Manifestationen des Ungewissen, bei denen wir erst bei näherem Hinsehen bemerken, daß es sich um Akte, um hingekauerte Körper handelt…
Klaus Schönmetzler, Kulturreferend Landkreis Rosenheim, zu Spuren in die Zukunft

…Als wollten sie das Unsichtbare sichtbar machen, so wirken manche Fotos von Bettina Gorn. Fast nicht sichtbar sind ihre Sujets darin. Sie tauchen auf wie flüchtige Gedanken, mit einem Klick festgehalten im Augenblick. Andere hingegen leben von Kontrasten oder setzen markante Farbtupfer…
Nicole Sutherland zu “kopfsache”, Ebersberger Zeitung

…bewegte Körper, Momentaufnahmen einer Körperlichkeit, deren ästhetische Qualität verharren lässt…
Eva Mayer, Wasserburger Zeitung

Bettina Gorn hat sich vom Naturalismus, der dem Medium Film und Foto anhaftet verabschiedet. Sie löst einzelne Sequenzen aus dem Film und lässt Neues entstehen. Ihre Filme sind sinnlich erfahrbar. Der Betrachter muß sich nur darauf einlassen.
Gerhard Sindelar im OVB Rosenheim

Bettina Gorn fokussiert in ihren Foto- und Videoarbeiten den Menschen in seiner Interaktion mit der Wiese und ihren natürlichen Ressourcen wie Blüten, Gräser oder Erde. Mit gezielten Bewegungstechniken und Mitteln der Abstraktion kreiert sie dabei berührende Bilder, in denen sich die traumhafte Welt der Wiese visuell offenbart.
Städtische Galerie Rosenheim zu „Wiese“